Ein interkulturelles Tor: Die von Lucena kodifizierte Revolution

 

Dieses 1497 veröffentlichte Werk ist das älteste erhaltene gedruckte Dokument, das den Übergang des Schachspiels in die Neuzeit markiert. Der Vater des Autors, Juan Ramírez de Lucena, war ein prominenter Diplomat und ein “converso” (eine Person jüdischer Abstammung) im Dienste der Katholischen Könige. Dieser multikulturelle Familienhintergrund diente als wichtiges intellektuelles Bindeglied, das den Fluss des Wissens aus dem Mittelmeerraum, Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa erleichterte.

In diesem Werk agiert Lucena nicht als Erfinder, sondern als meisterhafter Kompilator und Kodifizierer. Die Verwandlung der Schachfigur des Beraters (der Königin) von einer beschränkten Figur in die mächtigste Kraft auf dem Brett hatte sich schon lange vor Lucena als Allegorie der Liebe in Gedichten wie dem Scachs d'amor von 1475 entfaltet. Indem er wahrscheinlich auf die verlorenen Texte von Francesch Vicent aus dem Jahr 1495 zurückgriff (und sie kopierte), nutzte Lucena die Macht der Druckerpresse, um diese neuen Spielregeln“, die bereits in den Straßen und in der Poesie widerhallten, zu universalisieren. Dieses Buch ist die erste Darstellung des Übergangs vom langsamen Tempo des antiken Shatranj zur Dynamik des modernen Schachs.

Der gemeinsame Intellekt eines Königreichs: Europas erste Enzyklopädie der Spiele

 

Das Libro de los Juegos (Buch der Spiele) aus dem Jahr 1283 ist die erste und umfassendste Enzyklopädie der Spielkultur in Europa. Dieses Manuskript, das von König Alfons X. von Kastilien in Auftrag gegeben wurde, ist die großartigste Aufzeichnung der jahrtausendelangen Reise des Schachs von Persien über das Mittelmeer, Nordafrika und den Nahen Osten nach Europa. Das Buch stellt das Schachspiel nicht nur als Zeitvertreib dar, sondern auch als eine Simulation des Universums, die mit Astrologie und Mathematik verflochten ist. Die mehr als 150 Miniaturen verewigen den zivilisierten Dialog von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen, Frauen und Gelehrten, die sich mit weltlichen und abstrakten Figuren an einem Tisch treffen. Dieses Werk ist der brillanteste Beweis aus dem Mittelalter dafür, dass der Intellekt eine Brücke ist, die alle Glaubensrichtungen überwindet.